28 december 2017, Midwinteravond

Landschapsmythologie - Heilige en geheimzinnige plekken
Landschaftsmythologie - Heilige und Geheimniscolle Stätten
Programma / Programm

Bedevaarten in Westmünsterland / Wallfahrten im Westmünsterland
Dr. Hermann Terhalle, Vreden


Wallfahrten sind in fast allen Religionen zu Hause. Denken wir an die großen Wallfahrten der Christen im frühen Mittelalter nach Jerusalem und später nach Rom und Santiago de Compostella in Spanien oder an die im Islam allen Gläubigen vorgeschriebene Wallfahrt nach Mekka, schließlich an die Wallfahrtsorte der Hindus und Buddhisten in Indien bzw. in Tibet, z.B. nach Lhasa.

Für das westliche Münsterland sind von Bedeutung die beiden berühmtesten Wallfahrtsorte in Westfalen und am Niederrhein: Telgte und besonders Kevelaer. Aber auch im 18. und 19. Jahrhundert spielte Stadtlohn als Wallfahrtsort eine wichtige Rolle. Bis in unsere Tage ist schließlich noch Eggerode zu erwähnen.

Wallfahrt nach Telgte
Der bedeutendste Wallfahrtsort des Fürstbistums Münster im 17. und 18. Jh. war Telgte. Dort existierte und existiert ein verehrtes Bild, das 1455 erstmals archivalisch bezeugt ist. Das mit Reliquien versehene, aus Pappelholz geschnitzte, 1,40 m hohe Bild, das sich kunsthistorisch in die zweite Hälfte des 14. Jh. datieren lässt, fand zunehmend die Aufmerksamkeit gläubiger Menschen. Die Verehrung des Telgter Bildes blieb aber lange ein lokales Ereignis.

Im Laufe des 17. Jh. stieg Telgte zum Wallfahrtsort des Münsterlandes auf. Bei der Verehrung in Telgte spielte das Alter des Muttergottesbildes eine Rolle. So berichten die Jesuiten 1609, dass in Telgte „ehemals auf das ruhmvollste die Gottesmutter verehrt worden  und dort auch Wunder geschehen seien“. Die später erfolgte Anerkennung des Telgter Kultes durch Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen hatte ebenfalls im Alter des Bildes ihre Ursache. So unterstützten die Jesuiten seit 1609 und die Fürstbischöfe seit 1651 die Verehrung des Muttergottesbildes und förderten die Prozessionen nach Telgte, die schließlich aus dem ganzen Münsterland und Osnabrücker Raum kamen.
So werden in Telgte 1701 eine Wallfahrtsprozession aus Südlohn, 1712 Prozessionen aus Nienborg, Coesfeld, Vreden, Laer, Südlohn und Ahaus notiert. In der Zeit vom 9. Juni bis 10. Juli 1703 erschienen in Telgte Wallfahrten aus 23 Orten, 5000 Wallfahrer hielten sich nach der Aussage des örtlichen Pfarrers am 10. Juni 1703 in Telgte auf. Im Jahre 1704 erschienen Wallfahrtsprozessionen aus 26 Orten, darunter aus Nienborg, Schöppingen, Ahaus, Wessum, Wüllen, Ottenstein, Vreden, Stadtlohn und Borken und aus etlichen Orten der heutigen Kreise Coesfeld und Steinfurt.
Inzwischen hatte sich am Niederrhein mit Kevelaer, das seit dem 16. Jh. zum Bistum Roermond zählte, ein konkurrierender Wallfahrtsort entwickelt. Dennoch hält der Zustrom nach Telgte aus dem Westmünsterland auch in den Jahren zwischen 1730 und 1753 an. So trafen in diesen 23 Jahre, wobei vier Jahren nicht erfasst sind, bis zu je sechs Prozessionen aus Epe, Wessum, Ottenstein und Südlohn, bis zu 16 Prozessionen aus Vreden und bis zu 20 aus Ahaus in Telgte ein.
Das steht wahrscheinlich mit dem Befehl des Fürstbischofs Christian von Plettenberg, statt nach Kevelaer nach Telgte zu wallfahren, in Zusammenhang. Diesen Befehl richtete z. B. der Archidiakon von Bocholt, Domdechant Franz von Landsberg (1701-1732), an die Bocholter, erreichte damit aber nicht viel. War für die Ahauser der Weg nach Telgte mit ca. 70 km deutlich kürzer als nach Kevelaer mit ca. 90 km, so maß für die Bocholter die Entfernung nach Telgte ca. 90 km, nach Kevelaer nur ca. 46 km. Während die fürstbischöfliche Obrigkeit bei ihrem Erlass zugunsten von Telgte vor allem das Ziel im Auge hatte, das Geld im Lande zu behalten, war das den Wallfahrern ziemlich egal. So beklagte sich auch der Bocholter Pastor Breving und schrieb, dass solche Prozessionen nach Kevelaer seit vielen Jahren gebräuchlich seien und wohl kein einziger der Prozession nach Telgte folgen würde, „weilen die kevelaerische Reiße in 2 Tagen, die telgtische kaum in 6 Tagen könne abgethan werden.“  So sind wohl die Bocholter weiter nach Kevelaer gezogen.
Archidiakon Franz von Landsberg hatte an den Bocholtern allerdings noch mehr auszusetzen. So prangerte er am 18. November 1701 die Unordnung bei den Beerdigungen in Bocholt an, vor allem die unnötigen Kosten durch Darbietung von Speise und Trank an, wodurch so manche Leute in den Ruin getrieben würden. Er verbot daher, nach der Beerdigung das Geringste an Speise und Trank anzubieten. Bei Zuwiderhandlung waren 25 Goldgulden als Strafe fällig. Um das durchzusetzen, sollten künftig Beerdigungen nur noch vormittags stattfinden. Aber das war nicht das einzige. Am 26. August 1703 ermahnte der Archidiakon die Bocholter, in der Fastenzeit weder zu schlachten noch Bier zu brauen, was offensichtlich entgegen den Bestimmungen in der Fastenzeit zu Bocholt gang und gebe war.  Eigentlich eine harte Anordnung. Schließlich wurde auch in den Klöstern zur Fastenzeit Starkbier gebraut. Wie soll man auch sonst die Fasten überstehen?

Im 19. Jh. spielte Telgte als Wallfahrtsziel für die Menschen des Westmünsterlandes eine geringere Rolle, Kevelaer gewann dagegen immer mehr Wallfahrer aus dem Westmünsterland, zumal es seit 1821 zur Diözese Münster gehörte und beide Orte, Telgte und Kevelaer, seit 1815 zu Preußen zählten. Am bedeutendsten im Westmünsterland war im 19. Jh. allerdings die Wallfahrt zum Gnadenbild der Muttergottes in der Hilgenberg-Kapelle in Stadtlohn.

Wallfahrt nach Kevelaer
Schauen wir aber zunächst auf Kevelaer. Wie kam es hier zu einem Wallfahrtsort. Der Überlieferung nach vernahm um die Weihnachtszeit des Jahres 1641 der Handelsmann Hendrik Busmann, als er an einem Hagelkreuz betete, eine geheimnisvolle Stimme, die ihm sagte. „Op deze plaats sult gij mij een kapelleken bouwen!“ In den folgenden Tagen hörte Busmann  auf seinem alltäglichen Weg von Weeze nach Geldern die Stimme nahe dem Dorf Kevelaer noch zweimal. Vor Pfingsten 1642 hatte seine Frau eine nächtliche Erscheinung. Sie sah in einem glänzenden Licht ein Heiligenhäuschen mit einem Bildchen der Gottesmutter, der „Consolatrix Afflictorum“ (Trösterin der Betrübten) von Luxemburg, welches ihr  kurz zuvor von zwei Soldaten zum Kauf angeboten worden war. Busmann beauftragte seine Frau, die beiden Soldaten ausfindig zu machen und das Bild zu kaufen, was auch gelang. Es ist ein Kupferstich in Postkartengröße, der Maria als Himmelskönigin mit dem Jesuskind auf dem Arm zeigt. Zunächst wurde das Bild in Geldern aufbewahrt und geehrt, kurz darauf kam es nach Kevelaer, wo es von immer mehr Menschen verehrt wurde. Bereits 1647 wurde nach äußerst kurzer Zeit, zumal von Wunderheilungen berichtet wurde, Kevelaer als Wallfahrtsort anerkannt. Die Prozessionen nahmen rasch zu. Um 1700 sollen an manchen Tagen 15.000 Pilger Kevelaer besucht haben.

Unter der preußischen Herrschaft wurden in den 20er Jahren des 19. Jh. die Zahlen der Pilger in Kevelaer wie in Telgte deutlich weniger, zumal die Kirche selbst im Rahmen der sog. Katholischen Aufklärung die Wallfahrten einzuschränken versuchte. Erst im Zeitalter der Romantik ab 1840 nahm das Wallfahrtswesen wieder zu. 1842 kamen 200.000 Pilger und ab 1863, als Kevelaer einen Eisenbahnanschluss besaß, zählte man 600.000 Pilger. Im 20. Jh. unterbrachen die beiden Weltkriege und die Zeit des Nationalsozialismus den Pilgerstrom, ohne ihn ganz versiegen zu lassen. In der Gegenwart rechnet man mit 800.000 Pilgern pro Jahr, womit Kevelaer nach Altötting der größte Wallfahrtort Deutschlands ist.

Wallfahrt nach Stadtlohn
Im 18. Jahrhundert wurde auch die Wallfahrt zum Muttergottesbild auf dem Hilgenberg bei Stadtlohn von Bedeutung, vor allem für solche Orte, von denen aus die Wallfahrer an einem Tag die Hin- und Rückreise schaffen konnten. So kamen die meisten Wallfahrer aus den Orten des Westmünsterlandes, aus dem heutigen Kreis Borken, teils aber auch aus den Kreisen Steinfurt und Coesfeld sowie aus Oldenzaal und Hengelo in den Niederlanden. Hierbei handelte es sich um zwei sog. „Tückerprozessionen“, die im August bei Alstätte auf preußisches Gebiet traten und über Ammeloe und Vreden nach Stadtlohn zogen. Als das Kloster Zwillbrock vor 1811 noch existierte, führten die Zwillbrocker Patres auch Niederländer aus dem Grenzgebiet nach Stadtlohn. In Vreden wurde Zwischenstation gemacht, d.h. die Pilger verrichteten in der Stiftskirche vor dem Gnadenbild ihre Andacht, während die Patres im Pfarrhaus mit einem Frühstück traktiert wurden.

Während in der zweiten Hälfte des 17. Jh. der Heilige Berg (der Hilgenberg) und die alte Kapelle im Mittelpunkt der städtischen Prozession am Osterdienstag standen, änderte sich das im 18. Jh. Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg ermöglichte 1695 den Neubau der Kapelle durch die Stiftung von 200 Talern und unterstützte 1704  mit 30 weiteren Talern die Finanzierung der Reparaturarbeiten an der Kapelle, die durch Sturmschäden entstanden waren. Das war aber nicht in der Absicht geschehen, ein Wallfahrtswesen zu initiieren. Acht Wunderheilungen in den Jahren von 1739 bis 1745 gaben die Initialzündung und trugen dazu bei, dass in den 1740er und 1750er Jahren Stadtlohn nach Telgte zum bedeutendsten marianischen Wallfahrtsort im Fürstbistum Münster aufstieg, konnte Telgte aber nie den Rang ablaufen. Auf dem Hilgenberg war es eine Statue Mariens als Himmelskönigin mit dem Jesuskind auf dem Arm.

Die letzten Jahrzehnte des 18. und die ersten des 19. Jh. waren von der katholischen Aufklärung geprägt, die die Wallfahrt zu den verehrten Bildern zusehends skeptischer betrachtete und verbot. Typisch für diese Zeit war auch die wachsende Distanz zum Wunder. Klerus und bischöfliche Verwaltung gingen nicht mehr vom Eingriff Gottes in die Welt aus. Auch in Stadtlohn hörten die Wallfahrten fast gänzlich auf, da den kirchlichen Amtsträgern die Heiligen als Fürbitter als nicht mehr begründbar und tolerierbar erschienen. Nur die holländischen Prozessionen fanden weiter statt, da sie von den Verboten des Bischofs in Münster nicht betroffen waren. Ab den 1840er Jahren nahm auch hier die Wallfahrtstradition im Rahmen des Zeitalters der Romantik wieder zu.

Die Wallfahrt nach Stadtlohn fand mit dem Diebstahl des Wallfahrtsbildes im Jahre 1886 ein jähes Ende. Verdächtigt wurde ein Stadtlohner Freimauer, dem aber nichts nachgewiesen werden konnte. Es gab auch andere Verdächtigungen. Eine Version lautete auch, die Geistlichen hätten das Bild selbst entfernt, um den Alkoholismus zu bekämpfen, denn manche oder auch viele – da gibt es verschiedene Versionen – Pilger wären oft reichlich betrunken nach Hause gekommen. Immerhin gibt dieses Gerücht einen Hinweis auf das Verhalten mancher Wallfahrer.

An diese eben genannten Tückerprozessionen erinnert in Lünten ein Bildstock beim Hofe Humberg-Bollan. Das Heiligenhäuschen steht an der Bokelt-Stegge, einem alten Weg von Holland nach Bocholt, der beim Hof Sendfeld über die Grenze ging. Dieser Weg wurde auch von den Wallfahrern, die zur Muttergottes vom Hilgenberg pilgerten, benutzt. Daher vermutet man, dass manche Bildstöcke in Lünten an diesem Wallfahrtsweg standen.

Mit dem Bildstock bei Humberg verbindet sich eine mündliche Überlieferung. Gläubige aus der Gegend von Oldenzaal, Hengelo und Haaksbergen pilgerten alljährlich über die Bokelt-Stegge nach Stadtlohn. Auf dem Hin- und Rückweg wurde in der damaligen Gastwirtschaft Bollan/Humberg eine Rast eingelegt. Auf dem Rückweg wurde hier auch manchmal dem Alkohol reichlich zugesprochen. So soll es um 1850 bei Alkohol zwischen zwei Männern zu einem heftigen Streit gekommen sein, der in eine handfeste Schlägerei ausartete. Der Wirt setzte die Streithähne an die Luft. Am nächsten Morgen fand man in der Nähe der Gastwirtschaft einen Toten, bei dem es sich vermutlich um einen der Streithähne handelte. Weder der Name des Ermordeten noch der des Täters wurden je bekannt. Zur Sühne der verwerflichen Tat errichtete der damalige Gastwirt jenen Bildstock. So konnte auch eine Prozession „lebensgefährlich“ werden.

Coesfeld und Eggerode
Für manche Pfarreien spielten auch Coesfeld und Eggerode als Wallfahrtsziele eine Rolle. Ziel war das frühgotische Gabelkreuz in der St. Lamberti-Kirche. Eggerode ist wohl der älteste Wallfahrtsort im Westmünsterland. Bereits seit der Zeit um 1300 kamen die ersten Pilger nach Eggerode, um hier eine etwa 70 cm hohe byzantinische Madonna zu verehren, die vermutlich Kreuzfahrer aus der Gegend aus Konstantinopel mitgebracht und ihrer Kirche übergeben haben. Heute sollen pro Jahr etwa 80.000 Pilger nach Eggerode kommen.

Ein Verzeichnis der Bittgänge, Prozessionen und Wallfahrten im Kreis Ahaus aus dem Jahre 1875 verzeichnet von zahlreichen Orten des Westmünsterlandes Wallfahrten nach Kevelaer, Stadtlohn und anderen Orten, während Telgte kaum noch eine Rolle spielte . Dieses Verzeichnis war ein Folge des sog. Kulturkampfes, den Kampfes der preußischen Regierung gegen die Katholische Kirche mit dem Ziel, das Wallfahrtswesen einzuschränken. Erlaubt wurden nur noch Wallfahrten, die von „altersher“ bestanden und von deutschen Orten ausgingen. So wurden z.B. die Tückerprozessionen nicht mehr erlaubt.

Die Wallfahrten z. B. nach Kevelaer oder Telgte waren tagelange Unternehmen. Meistens benötigte man vier Tage, einige sogar sechs Tage. Zwischenübernachtungen waren dabei notwendig. Von der Ahauser Kevelaerwallfahrt heißt es 1875, dass sie sich am Donnerstag vor dem Feste Maria Geburt auf den Weg machte und Stadtlohn bereits um 7.00 Uhr passierte, Dingden abends 19.30 erreichte, wo offensichtlich übernachtet wurde, am nächsten Morgen passierte man schon um 7.00 Uhr Ringenberg. Kevelaer erreichte man am Freitagabend gegen 5 Uhr.  Insgesamt legte man in vier Tagen ca. 180 km zurück.
 
Die Stadtlohner nahmen sich für die Wallfahrt nach Kevelaer auf dem Hinweg drei Tage Zeit. Sie begann dienstagsmorgens um 9.00 Uhr und erreichte Kevelaer am dritten Tag zwischen  3 und 4 Uhr. Am ersten Tag ging bis Bocholt, am zweiten Tag bis Marienbaum, ebenfalls ein Wallfahrtsort und am dritten Tag erreichte man Kevelaer. Hier wird vermerkt, dass die Wallfahrt von Stadtlohn nach Kevelaer, früher von keinem Geistlichen begleitet wurde, aber seit 1868 von Pastor Kleyboldt begleitet werde.

Diese beschwerliche Wallfahrt änderte sich mit dem Aufkommen der Eisenbahnen. So begann in Vreden die Wallfahrt nach Kevelaer mit dem Jahr 1886. Da es in Vreden aber noch keinen Bahnhof gab, musste man nach Winterswijk gehen, von dort ging es per Bahn über Bocholt nach Wesel und weiter nach Kevelaer, so dass man am gleichen Tag abends wieder in Vreden war. Immerhin musste man aber zweimal die Strecke Vreden-Winterswijk, insgesamt aber 25 km, zu Fuß zurücklegen. Wie mündlich überliefert wird, kamen bei der Rückkehr Winterswijker Geschäftssinn und Vredener Schmuggelfreude zu einer Symbiose; denn manche Vredener nutzten die Gelegenheit, sich mit den Gütern, die in den Niederlanden preislich günstiger als in Deutschland waren, einzudecken. Dass so etwas eigentlich nicht dem Sinn der Wallfahrt entsprach, konnte man sich nicht vorstellen, zumal die Zollbeamten in der Regel evangelisch waren.  

Nachdem am 30. September 1902 auch die Strecke der Westfälischen Landeseisenbahn Burgsteinfurt – Borken mit Abstecher von Stadtlohn nach Vreden eröffnet war, konnte ab 1903 die Kevelaerwallfahrt von Vreden wie von andern Orten mit der Bahn direkt erfolgen. Im 20. Jh. blühte das Wallfahrtswesen deutlich auf, wenn man von den Weltkriegen und der NS-Zeit abzieht. Immerhin verzeichnet im Jahre 1940 das Handbuch für das Bistum Münster für fast alle Gemeinden der damaligen Kreise Ahaus und Borken eine Wallfahrt nach Kevelaer. Nur unter Asbeck, Ottenstein, Schöppingen, Anholt ist keine Wallfahrt nach Kevelaer verzeichnet, alles Orte, die abseits der Eisenbahn lagen. Wallfahrten nach Eggerode werden nur aus einigen Pfarreien des Kreises Ahaus und aus Gescher verzeichnet. Nach Telgte pilgerten nur Verbände aus der Pfarrei Alstätte.

Am Ende des vorigen Jahrhunderts (1993)  gingen von fast allen Pfarreien des heutigen Kreises Borken Wallfahrten nach Kevelaer. Heute ist Kevelaer nach Altötting der am meisten besuchte Wallfahrtsort Deutschland mit 800.000 bis 1 Million Pilger. Auch in den allermeisten Pfarreien war inzwischen Eggerode zum Wallfahrtsziel bestimmter Gruppen und Verbände wie Senioren, KAB, kfd (Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands) oder Kolping geworden. Aber auch Telgte, das um das Jahr 2000 jährlich von 100.000 Wallfahrern aufgesucht wird, ist wieder das Ziel einiger Wallfahrten aus dem Westmünsterland.

Während Gottesdienstbesuche deutlich nachgelassen haben, hat sich das Wallfahrtswesen behauptet, offensichtlich ein Zeichen dafür, dass der Mensch für diese Orte und ihre Gnadenbilder empfänglich ist, was sich im Übrigen auch an dem großen Interesse, das heute die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostella genießt, ablesen lässt.

Literatur:

Börsting, Heinrich und Alois Schroer: Bausteine zur Geschichte des Bistums Münster, Bd. 1: Handbuch des Bistums Münster 1940, Dülmen 1942.
Bröker, Elisabeth: 250 Jahre Fußprozession Bocholt-Kevelaer, in: Unser Bocholt 34, 1983, Heft 2.
Dohms, Peter: 350 Jahre Kevelaerwallfahrt 1642-1692. Die Wallfahrt nach Kevelaer zum Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“. Nachweis und Geschichte  der Prozessionen von den Anfängen bis zur Gegenwart, Kevelaer 1992.
Freitag, Werner: Volks- und Elitefrömmigkeit in der frühen Neuzeit. Marienwallfahrten im Fürstbistum Münster, Paderborn 1991.
Ders.: Die Stadtlohner Wallfahrt 1740 bis 1886, in: Auf Dein Wort hin. 1200 Jahre Christen in Stadtlohn, Stadtlohn 2000, S. 367-394.
Ders.: Die Eggeroder Marienverehrung und -Wallfahrt, in: Schöppingen 838 – 1988. Eine Geschichte der Gemeinden Schöppingen und Eggerode, hrsg. von der Gemeindeverwaltung Schöppingen, Schöppingen 1988, S. 708-731.
Terhalle, Hermann: Bittgänge, Prozessionen und Wallfahrten im Kreis Ahaus im Jahre 1875, in: Aus der Geschichte der Städte und Ämter des Altkreises Ahaus 1875 – 1918,     Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde 80, Vreden 2010, S.11-40.
Thissen, Werner (Hrsg.): Das Bistum Münster, Bd. III: Die Pfarrgemeinden, Münster 1993.


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